Kostenlos Transkribieren mit easytranscript

Als qualitativ Forschender komme ich häufiger in Situationen, in denen in meinen Forschungsvorhaben oder Lehrveranstaltungen Transkripte erstellt werden müssen. Für das Erstellen dieser Abschriften des gesprochenen Wortes von Audioaufzeichnungen ist es hilfreich, eine Software nutzen zu können, bei der man neben der Texteingabe mittels Tasten auf der Tastatur (oder wahlweise auch einen Fußschalter) die Aufnahme starten und pausieren kann, eine Variation der Abspielgeschwindigkeit möglich ist und Zeitmarken gesetzt werden können.

Während es für umfangreiche Forschungsprojekte mit ausreichend finanziellen Ressourcen gut ist, auf Lösungen wie f4transkript zurückzugreifen oder gar die Transkription in Auftrag zu geben, ist es insbesondere bei kleineren Forschungsprojekten oder in der Lehre gut, auf eine freie Software zurückgreifen zu können. Vor einigen Jahren habe ich aus diesem Grund eine Anleitung für die Nutzung von easytranscript geschrieben (auch über heise.de verfügbar), die ich gern hier teilen möchte:

Vorbereitung

Folgende Programme werden für die Transkription benötigt:

  1. easytrascript zum Erstellen von Transcripten
    http://www.e-werkzeug.eu/index.php/de/

  2. VLC-Player (32bit) zum Abspielen der Audio- und Videodateien für die Transkription
    http://www.vlc.de/download/vlc/vlc-2.2.4-win32.exe

  3. pandoc zum Exportieren von Text-Dokumenten aus der Transkript-Datei
    https://github.com/jgm/pandoc/releases/download/1.17.2/pandoc-1.17.2-windows.msi

Installation

Installiere zunächst die Programme easytranscript und VLC-Player nacheinander auf den Rechner. Vor der ersten Verwendung des Programms easytranscript muss der VLC-Player installiert sein. Andersfalls gibt es einen Installationshinweis mit entsprechender Anleitung. Das Programm pandoc wird nur benötigt, wenn das Transkript aus dem Programm easytranscript in ein anderes als das RTF-Format exportiert werden soll.

Erstellen eines Transkriptes

Um ein Transkript zu erstellen, muss zunächst beim Start des Programms der entsprechende Menüpunkt ausgewählt werden. Dort werden dann der Speicherort für die Programmdatei, die zu verwendende Audiodatei als auch der Speicherort für das Transkriptions-Dokument ausgewählt. Dieses Dokument wird vom Programm automatisch im RTF-Format angelegt, welches für die weitere Verwendung in Auswertungsprogrammen wie DokuMet oder MAXQDA am besten geeignet ist. An der ausgewählten Stelle wird ein Ordner erstellt, in dem neben dem Dokument wahlweise auch die Arbeitszeiterfassung für die Transkription abgelegt wird.

Einstellungen

Im Programm selber können Einstellungen für den automatischen Sprecherwechsel, Steuerungstasten, Kurztasten und Zeitmarken  festgelegt werden. Automatische Zwischenspeicherungen sind dort auch einstellbar.

Transkription

Geschwindigkeit und Lautstärke können in einem Menü eingestellt werden, dass über die Tuner-Taste in der Fußleiste erreicht wird. Über die F-Tasten kann die Audiodatei gesteuert werden.

Dateien

Das Transkript wird zunächst in einem programmeigenen Dateiformat erstellt und als RTF-Dokument am gewählten Speicherort abgelegt. Soll nach Abschluss der Transkription zusätzlich ein weiteres Dateiformat exportiert werden, muss dazu zunächst das Programm pandoc installiert werden. Über den Menüpunkt „Dokument exportieren“ im Kontextmenü können dann verschiedene Formate ausgewählt werden. Weitere Informationen zum Export von PDF-Dateien gibt es auf der Programm-Homepage zu finden.

Verwalten von Transkripten in Projekten

Einzelne Transkripte können in einem Projekt verwaltet werden.  Über das Kontextmenü kann dazu der Menüpunkt „Projekt erstellen“ ausgewählt werden. Nach der Auswahl eines Speicherortes können dem Projekt verschiedene Transkripte und Dateien zugeordnet werden. Hier kann auch die Arbeitszeit für ein gesamtes Projekt erfasst werden.

Videos aufzeichnen

Für ein Promotionskolloquium von Prof. Dörner an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg habe ich ein kurzes Einführungsvideo zum Erstellen von Videos mit OBS (Open Broadcast Software) gedreht, das ich gern auch über diesen Kontext hinaus verfügbar machen möchte.

Mir geht es dabei darum zu zeigen, wie man relativ einfach mit OBS ein Lehr- oder Erklärvideo drehen kann, ohne dabei viele Einstellungen verändern zu müssen. Mein Video ergänzt damit die vorhandenen deutschsprachigen Tutorials, indem es OBS gezielt für den Einsatz für Videopräsentationen und Videovorträge beschreibt.

Für diejenigen, die auch mit mehreren Szenen arbeiten wollen, hier weiterführende Erklärungen. Gedreht habe ich das Erklärvideo ebenfalls mit OBS und dafür drei Szenen genutzt:

  • In der ersten Szene zeige ich die Website (Quelle: Fensterfreigabe) zusammen mit einem kleinen Video von mir (Quelle: Videoaufnahmegerät).
  • In der zweiten Szene zeige ich anstelle der Website die Software. Die Szene habe ich als Duplikat der ersten Szene erstellt, sodass das Video von mir in der gleichen Größe und an der gleichen Position zu finden ist. Damit sieht es beim Szenenwechsel so aus, als würde meine Videobild konstant bleiben und nur der Hintergrund sich ändern.
  • In der dritten Szene zeige ich dann anstelle der Software meine Präsentation. Erstellt habe ich die Szene auch wieder als Duplikat der vorherigen, um die Aufteilung der Bildelemente identisch zu lassen.

Wenn es Fragen oder Anregungen gibt, freue ich mich sehr über Kommentare unter diesem Beitrag oder dem Video. Viel Spaß beim Arbeiten mit OBS!

Es hat mich überrollt, ich bin wieder da

Nachdem ich in den ersten Tagen voll Elan war und irgendwie noch Zeit für Beiträge auf diesem Blog aufgebracht habe, hat es mich die Lehre für die nächsten Wochen einfach schlicht überrollt. Von Seminar zu Seminar stieg der Aufwand: Hier muss etwas erklärt werden, dort steht eine falsche Info, hier funktioniert das Tool nicht wie erhofft, dort haben einige keinen Zugriff auf was auch immer. Jetzt die gute Nachricht: Es wurde langsam besser und heute komme ich sogar wieder dazu, ein paar Gedanken loszuwerden.

Diese Gedanken betreffen vor allen die Frage, wie es in meiner Wahrnehmung neben mir eigentlich den anderen so geht, die an den Seminaren teilnehmen: die Studierenden (und, liebe Teilnehmer:innen meiner Seminare, wenn ihr das lest, korrigiert mich bitte!).

Mein Eindruck ist, dass es gleichzeitig mindestens zwei Dinge gibt, mit denen Studierende grad umgehen müsse:

(1) In meinen Seminaren arbeiten wir mit Moodle und es gibt einfach eine riesen Flut von Informationen zu bewältigen. Einzelne berichten davon, dass sie keine Mails mehr von Moodle lesen und sprechen regelmäßig davon, ‚zugespamt‘ zu werden. Bisher ist mir noch keine gute Idee gekommen, wie ich die Informationen so bündeln kann, dass es für alle erträglicher und verarbeitbarer wird und gleichzeitig für mich der Aufwand der Informationsaufbereitung nicht noch mehr steigt.

(2) Wenn die Studierenden den Weg zu den einzelnen Aufgaben gefunden haben, macht die Arbeit großen Spaß und es kommen im Rahmen der Möglichkeiten auch gute Gespräche zu stande – Diskussionen möchte ich das Ganze aber noch nicht nennen. Die Studierenden sind also im Rahmen ihrer jeweiligen zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten sehr engagiert und geben sich große Mühe, alles was ich ihnen auftrage nachzuvollziehen, sie sind sehr geduldig mit mir und den Tools.

Was die Diskussionen angeht, so fehlt etwas Wichtiges für meine Veranstaltungen: der unmittelbare Kontakt im gleichen Raum, der eine diskursive Auseinandersetzung, das Ringen um Positionen und das Verteidigen einer Perspektive ermöglicht. In einem Videocall kann ich persönlich nicht die gleiche Schärfe und Provokation einbringen, die für eine Diskussion erforderlich ist. Mir fehlt das Gegenüber. Dadurch entsteht in der Auseinandersetzung mit Texten eine Situation, in der zwar die erste Einarbeitung in den Text gut gelingt und auch schöne Kommentare zu den Texten geschrieben werden, diese aber zu keiner Diskussion führen und damit eine Vertiefung kaum möglich ist. Viel besser bekomme ich es grad noch nicht reflektiert, aber vielleicht weiß ja jemand was ich meine und kann es besser auf den Punkt bringen: Irgendwie laufen wir alle mit großen Schwung auf jeden Text los und werden rasch langsamer und langsamer. An dem Punkt würde ich gern alle in einem Raum versammelt haben und mit Energie und Provokation die Diskussion anheizen – was hoffentlich bald auch wieder möglich sein wird.

Zugang technisch realisiert

Heute haben zwei weitere Veranstaltungen begonnen, die ich als Lehrperson in diesem Semester anbiete. Damit ist der Reigen vollständig eröffnet und in allen Veranstaltungen gab es keine technischen Probleme. Der Eindruck, den ich gestern schon beschrieben habe, hat sich heute also bestätigt. Technisch konnte der Zugang zu den Seminaren realisiert werden. Die kurzen Feedbacks über Menti.com fallen ähnlich aus (die Grafiken spare ich hier daher). Mehrheitlich gehen die Teilnehmer:innen davon aus, gut mit der Medientechnik umgehen zu können und meine Moodle-Kurse sind übersichtlich.

Um den Blick auf die Technik rund zu machen, möchte ich noch auf die Ergebnisse einer Befragung eingehen, die ich im Vorfeld in allen Kursen eingestellt hatte. Dort habe ich die Teilnehmer:innen gebeten, mir Infos zu ihrer individuellen Technikausstattung zu geben. Mit den Daten hatte ich einen ersten Eindruck, inwiefern meine medientechnische Planung zu den Möglichkeiten der Studierenden passt. Für die Auswertung habe ich alle vier Befragungen addiert. Insgesamt haben n=45 Studierende an der Befragung teilgenommen, was einer Rücklaufquote von 82% der derzeit eingeschriebenen Studierenden entspricht. Im folgenden Balkendiagramm sind die relativen Häufigkeiten der Ja-Antworten angegeben.

Befragungsergebnisse (n=45; Angaben in %)

98% der Studierenden verfügen in meinen Seminaren also über einen Computer, den sie ohne Einschränkungen für das Seminar verwenden können. 91% können für das Seminar auf das Internet zugreifen. Niemand gab bei diesen ersten beiden Punkten an, keinen Zugang zu einem Computer oder dem Internet zu haben. Wenn dann wurde eine eingeschränkte Nutzung angegeben (also ‚XY‘ ist teilweise verfügbar). Allein diese Rückmeldung hat mich sehr beruhigt.

80% haben Webcam und Mikrofon bzw. Headset, um mit Bild und Ton an den Videomeetings teilzunehmen. 82% könnten dafür auch ihr Smartphone einsetzen. (Gefragt hatte ich speziell nach der Möglichkeit Skype zu nutzen, gehe aber davon aus, dass auch jede andere vergleichbare App dann nutzbar sein sollte.) 69% der Studierenden hätten außerdem die Möglichkeit, ohne zusätzliche Kosten an einer Telefonkonferenz teilzunehmen. In meiner Planung hatte ich die Möglichkeit vorgesehen, bei technsichen Problemen im Videocall auf die Telefonkonferenz umzuschwenken. Frühzeitig während der Befragung zeigte sich jedoch, dass dies keine Alternative zum Videocall sein würde.

Sowohl mein Eindruck aus den vier Videocalls als auch die Befragungsergebnisse geben mir im Hinblick auf die Technik ein gutes Gefühl. Erst einmal sieht es so aus, dass in den Seminaren jede:r technisch einen Zugang realisieren kann. Gespannt bin ich jetzt, ob der Zugang auch inhaltlich gelingt. Neben mündlichen Rückmeldungen, die ich bei den einzelnen Videocalls geplant habe, werde ich sicherlich nach den ersten zwei bis drei Wochen auch eine kleine Zwischenevaluation einstreuen und als weiteren Gesprächsanlass in den Seminaren und Gelegenheit zur Reflexion hier auf diesem Blog nutzen.

Sollte meinen Beitrag jemand lesen und ebenfalls erste Eindrücke zu der hier angesprochenen Frage gesammelt haben, freue ich mich sehr über einen Kommentar!

Technisch problemlos. Inhaltlich anders.

Der erste Tag mit Seminaren in #Coronazeiten liegt jetzt hinter mir. Mein Fazit ist zweigeteilt und mit der Überschrift zu diesem ersten Tagebucheintrag schon ziemlich gut zusammengefasst. Technisch gab es keine Probleme – zumindest keine die mir kommuniziert wurden. Inhaltlich ist es aber schon anders als sonst, das heißt, im Vergleich zu den Seminare, wie ich sie bisher angeboten habe ist eine ziemliche Umstellung mindestens in meinem Kopf und auch in meiner Didaktik erforderlich.

Technisch problemlos:

Bevor ich etwas genauer noch auf meine Eindrück zum inhaltlichen Teil eingehe, möchte ich kurz den Blick auf die Technik lenken. Erstaunlich war, wie reibungslos der Videocall via Zoom funktioniert hat. Im ersten Seminar waren mit mir insgesamt zehn Personen im Videocall anwesend, im zweiten sogar 22. Bis auf kleinere Herausforderungen zu Beginn (ich hatte vergessen den Teilnehmer:innen freizugeben, dass sie ihr Audio selbstständig wieder aktivieren können) gab es keine Schwierigkeiten. Die kurzen Feedbacks, die ich über ein Mentimeter eingeholt habe, zeigen das ebenfalls (5 von 9 bzw. 15 von 21 Studierenden antworteten).


Auch meine Überarbeitung der Moodlekurse scheint gut funktioniert zu haben. Der technische Weg, den ich eingeschlagen habe, sieht also schon mal ganz gut aus und ich werde diesen Pfad erst einmal so weitergehen.

Inhaltlich anders

Insgesamt bin ich schon davon ausgegangen, dass die Inhalte in diesem Semester auf eine andere Art als sonst be- und erarbeitet werden müssen. Nachdem ich nun einen Eindruck von den ersten Videocalls habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass es ganz anders wird als sonst. Während ich üblicherweise in meinen Seminaren ad hoc auf Beiträge von Studierenden eingehe und Inhalte einbringe, erforderlich die gegenwärtige Situation, dass entweder alles vorher geplant ist oder die Studierenden einige Tage warten müssen, bis ich auf Beiträge reagieren kann. Also keine spontanen Einlagen, sondern alles planen und in gut verarbeitbare Stücke bringen. Was in technischen Fächern ganz gut funktionieren mag, ist in einem erziehungswissenschaftlichen Seminar schon eine ziemliche Herausforderung. Ein Weg heraus aus dieser Situation ist es, gar nicht erst in den synchronen Arbeitsphasen auf Inhalte einzugehen, sondern dafür ausschließlich die asynchronen Arbeitsphasen zu nutzen. Ich hatte es ja schon bei der Beschreibung der beiden Arbeitsphasen vermutet, war mir der Wichtigkeit einer strengen Trennung zwischen beiden Phasen aber noch nicht so bewusst.

Und irgendwie bin ich von zwei kurzen Seminaren von jeweils 40 Minuten (und einem weiteren Videocall zwischendurch) ziemlich geschafft und freue mich, dass der Tag im #Homeoffice für heute geschafft ist. Sicher werde ich nach meinen beiden anderen Seminaren morgen noch mal etwas hier schreiben.

Bis dahin wünsche ich mir und allen, die das lesen, einen erholsamen Abend!